Willem Dafoe

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Willem Dafoe (2024)
Dafoe und seine Frau Giada Colagrande vor der Verleihung des Ehrenbären auf der Berlinale 2018

William „Willem“ James Dafoe (* 22. Juli 1955 in Appleton, Wisconsin) ist ein US-amerikanischer Schauspieler.

Willem Dafoe ist das zweitjüngste von acht Kindern eines Chirurgen und einer Krankenschwester. Er hat eigenen Angaben zufolge deutsche, englische, irische, schottische und französische Wurzeln.[1] Bereits als Jugendlicher begann Dafoe Theater zu spielen und ging im Alter von 17 Jahren an die University of Wisconsin–Milwaukee, um Theaterwissenschaft zu studieren. Der Unterricht wurde ihm jedoch bald zu theoretisch, und er schloss sich dem experimentellen Theatre X an, mit dem er bald durch Europa und die USA tourte.

1977 zog er nach New York und wurde Mitglied der Theatergruppe Wooster Group, der er bis heute angehört. Die Leiterin des Ensembles, Elizabeth LeCompte, wurde seine Lebensgefährtin. 1982 kam ihr gemeinsamer Sohn Jack auf die Welt. 1981 spielte er schließlich seine erste Rolle in Michael Ciminos legendärem Western-Flop Heaven’s Gate. Erster Erfolg stellte sich für Dafoe fünf Jahre später mit der Rolle des selbstlosen Sergeants Elias in Oliver Stones Vietnamdrama Platoon (1986) ein, für die er eine Oscar-Nominierung als bester Nebendarsteller erhielt.

Dafoe ist bekannt für ein breites Spektrum an Rollen, das eine Einordnung nur schwer möglich macht. So spielte er in Wild at Heart, Speed 2 – Cruise Control oder Spider-Man rein böse, überwiegend exzentrische Charaktere, andererseits in Platoon und Mississippi Burning – Die Wurzel des Hasses den Helden. Kontrovers diskutiert wurde auch Martin Scorseses Drama Die letzte Versuchung Christi, in dem er die Rolle des Jesus spielte. Hatte er in seinen Rollen oft einen besessenen Außenseiter verkörpert, zeigte er sich 1993 in Paul Schraders Light Sleeper auch als weicher Charakterdarsteller.[2] Als eine seiner erfolgreichsten Rollen gilt ebenfalls die Darstellung des Max Schreck in E. Elias Merhiges Shadow of the Vampire, für die er im Jahr 2001 u. a. für den Oscar und den Golden Globe als bester Nebendarsteller nominiert war. Sein Schaffen umfasst mehr als 100 Produktionen.

2007 gehörte er unter dem Vorsitz des US-amerikanischen Filmemachers Paul Schrader zur Jury der Filmfestspiele von Berlin. Für seine Hauptrolle in Lars von Triers Psychothriller Antichrist wurde ihm 2010 die dänische Bodil zuteil. 2012 stand er im Teatro Real in Madrid gemeinsam mit der serbischen Performance-Künstlerin Marina Abramović auf der Bühne. Außerdem hat er im Videospiel Beyond: Two Souls von Quantic Dream, den Entwicklern von Heavy Rain, die Rolle von „Nathan Dawkins“ übernommen.

Seine dritte Oscar-Nominierung erhielt Dafoe 2018 für die Nebenrolle des sozialen Motelmanagers Bobby in Sean Bakers The Florida Project (2017). Seine Mitwirkung in dem Filmdrama brachte ihm darüber hinaus zahlreiche weitere Auszeichnungen ein, darunter die Preise der Kritikervereinigungen von Boston, New York und Los Angeles sowie des National Board of Review und der National Society of Film Critics. Ebenfalls im Jahr 2018 wurde ihm der Goldene Ehrenbär der 68. Internationalen Filmfestspiele Berlin zuerkannt. Für seine Darstellung des Malers Vincent van Gogh in der Filmbiografie Van Gogh – An der Schwelle zur Ewigkeit erhielt er im Januar 2019 seine insgesamt vierte Nominierung für den Oscar.

Anfang Juli 2024 wurde bekannt, dass Dafoe in den Jahren 2025 und 2026 die künstlerische Leitung des Theaterfestivals der Biennale di Venezia übernehmen wird.[3]

Im März 2005 heiratete Dafoe die zwanzig Jahre jüngere italienische Filmregisseurin Giada Colagrande, mit der er abwechselnd in Rom, New York und Los Angeles lebt.[4]

Deutsche Synchronsprecher

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Dafoe hat erst seit den späten 1980er Jahren feste deutsche Sprecher. Von da ab und in den 1990er Jahren wurde er primär zu je etwa gleichen Teilen von Randolf Kronberg, Wolfgang Condrus und Manfred Lehmann gesprochen; seit 2002 ist Reiner Schöne Dafoes praktisch ausschließlicher Stammsprecher.[5]

Filmografie (Auswahl)

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Jahr Titel Rolle Preise und Nominierungen
1987 Platoon Sgt. Elias K. Grodin Nominiert – Oscar (Bester Nebendarsteller)
Nominiert – Independent Spirit Award (Bester Hauptdarsteller)
1993 Body of Evidence Frank Dulaney Nominiert – Goldene Himbeere (Schlechtester Schauspieler)
1997 Speed 2 – Cruise Control John Geiger Nominiert – Goldene Himbeere (Schlechtester Nebendarsteller)
2000 Shadow of the Vampire Max Schreck Independent Spirit Award (Bester Nebendarsteller)
Saturn Award (Bester Nebendarsteller)
Los Angeles Film Critics Association Award (Bester Nebendarsteller)
Satellite Award (Bester Nebendarsteller)
Nominiert – Oscar (Bester Nebendarsteller)
Nominiert – Chicago Film Critics Association Award (Bester Nebendarsteller)
Nominiert – Golden Globe Award (Bester Nebendarsteller)
Nominiert – Screen Actors Guild Award (Bester Nebendarsteller)
Nominiert – Online Film Critics Society Award (Bester Nebendarsteller)
2002 Spider-Man Grüner Kobold/Norman Osborn Nominiert – Satellite Award (Bester Nebendarsteller)
Nominiert – Teen Choice Award (Bester Bösewicht)
Nominiert – MTV Movie Award (Bester Bösewicht)
Nominiert – MTV Movie Award (Bester Kampf – zusammen mit Tobey Maguire)
Auto Focus John Henry Carpenter Nominiert – Chicago Film Critics Association Award (Bester Nebendarsteller)
2009 Antichrist He Bodil (Bester Hauptdarsteller)
2011 The Hunter Martin David Nominiert – AACTA Award (Bester Hauptdarsteller)
2018 The Florida Project Bobby National Society of Film Critics Award (Bester Nebendarsteller)
National Board of Review Award (Bester Nebendarsteller)
Nominiert – Oscar (Bester Nebendarsteller)
Nominiert – Golden Globe Award (Bester Nebendarsteller)
Nominiert – BAFTA Award (Bester Nebendarsteller)
Nominiert – Screen Actors Guild Award (Bester Nebendarsteller)
Nominiert – Satellite Award (Bester Nebendarsteller)
Nominiert – Critics’ Choice Movie Award (Bester Nebendarsteller)
2018/19 Van Gogh – An der Schwelle zur Ewigkeit Vincent van Gogh Internationale Filmfestspiele von Venedig 2018 (Bester Darsteller)
Nominiert – Oscar (Bester Hauptdarsteller)
2020 Most Influential Artist B3 BEN Award for Most Influential Artist der B3 Biennale des bewegten Bildes
Commons: Willem Dafoe – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. What I know about women, theguardian.com, abgerufen am 3. November 2018 (englisch)
  2. Das Gesicht des Todes. In: Der Spiegel. 9. Mai 1994, abgerufen am 28. März 2020.
  3. Willem Dafoe is the new Artistic Director of the Theatre Department. In: labiennale.org, 8. Juli 2024 (abgerufen am 14. Juli 2024).
  4. Willem Dafoe. In: Internationales Biographisches Archiv 45/2012 vom 6. November 2012, ergänzt um Nachrichten durch MA-Journal bis KW 47/2017 (abgerufen via Munzinger Online).
  5. Willem Dafoe. In: Deutsche Synchronkartei. Abgerufen am 5. Februar 2021.