Edith Lorand

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Edith Lorand
Edith Lorands erste veröffentlichte Schallplatte (Berlin 1. Juli 1920)

Edith Lorand (* 17. Dezember 1898 in Budapest; † 23. November 1960 in New York) war eine ungarisch-amerikanische Violinvirtuosin und Orchesterleiterin.[1]

Jugend und Studium in Budapest

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Edith Lorand entstammte einer ungarisch-jüdischen Familie und wuchs in Budapest auf. Ihr Vater war Direktor einer Ölraffinerie, ihre Mutter eine aus Österreich stammende Pianistin mit italienischen Wurzeln.[2] Lorand studierte an der Königlichen Musikakademie Budapest bei Jenő Hubay und Carl Flesch, 1920 debütierte sie in Wien.[3]

Karriere in Berlin, Aufnahmen für die Lindström A.G.

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In den 1920er Jahren machte Edith Lorand Berlin zu ihrem Lebensmittelpunkt.[4] Lorand war sowohl mit E als auch mit U-Musik erfolgreich. Neben Konzerten und spektakulären „Show-Auftritten“ wurde sie durch zahlreiche Plattenaufnahmen und Radiosendungen bekannt. Seit 1923 war sie beim Lindström-Konzern unter Vertrag.[5] Die Verkaufszahlen der späten 1920er Jahre zeigen, dass Lorand zu den „Spitzenstars der Schallplattenindustrie“[6] gehörte.

Edith Lorand spielte zunächst als Solistin, begleitet von Frieder Weißmann (1893–1984) oder Michael Raucheisen (1889–1984) am Piano, zahlreiche Titel ein.[7] Sie gründete darüber hinaus das „Edith Lorand-Trio“ (Edith Lorand, Violine, Michael Raucheisen, Klavier, und Gregor Piatigorsky (1903–1976) bzw. Hans Schrader, Violoncello) und das „Edith Lorand-Quartett“ (mit Heinemann, zweite Violine).[8] Außerdem trat Edith Lorand mit einem 15-köpfigen, vom Lindström-Konzern zusammengestellten „Herrenorchester“ auf. Das glamouröse „Edith Lorand-Orchester“ gehörte zu den bekanntesten Kapellen der Weimarer Republik, u. a. durch Auftritte im Berliner Admiralspalast.[9] In ihrer Doppelrolle als Violinvirtuosin und Orchesterleiterin wurde Lorand schnell zum Star, gleichzeitig auch zum Symbol der Frauenemanzipation der 1920er Jahre.

Wiener Walzer, ungarische und slawische Volksweisen waren Lorands „ureigenste Domäne“[10] Kammermusikalisch bevorzugte sie die Wiener Klassik (u. a. Beethoven und Schubert). Mit Violinkompositionen von Mozart, Mendelssohn und Hubay trat sie außerdem solistisch auf.[11] Zum festen Repertoire ihre Orchesters gehörten – dem Zeitgeschmack entsprechend – auch Salonmusik, Operettenbearbeitungen, populäre Klassik und Tanzmusik.

Europäische Erfolge

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Von Berlin aus bereiste das „Edith Lorand-Orchester“ ganz Europa. Die französische Presse ernannte Lorand zur „Königin des Walzers“,[12] das englische Publikum zum „Female Johann Strauß“.[13]

Ausgrenzung durch NS-Kulturpolitik, Emigration in die USA

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Durch die nationalsozialistische Kulturpolitik wurden Edith Lorands Arbeits- und Auftrittsmöglichkeiten ab 1934 zunehmend eingeschränkt. Ihr Name wurde exemplarisch in rassenideologischen Propagandaschriften aufgelistet,[14] ihr Vertrag bei Lindström lief ohne Aussicht auf Verlängerung aus.[15] Sie ging deshalb zunächst wieder nach Ungarn zurück und baute dort ein „All-Gipsy-Orchestra“[16] auf, mit dem sie 1935 u. a. in der New Yorker Carnegie Hall gastierte.[17] Wegen der unsicheren politischen Situation in Ungarn emigrierte Lorand 1937 endgültig in die Vereinigten Staaten, nahm deren Staatsbürgerschaft an und heiratete den Illustrator Egon Hood.[18] Mit ihrem „Hungarian“ oder „Viennese Orchestra“ konzertierte sie weiterhin, konnte aber an ihre Erfolge der 1920er und 1930er Jahre nicht anknüpfen. 1960, kurz vor ihrem Tod, kehrte Edith Lorand noch einmal nach Berlin zurück.

  • Alfred Hagemann: Edith Lorand. In: Alfred Hagemann, Elmar Hoff (Hrsg.): Gronau – Enschede – Berlin: Eine musikalische Reise durch die Welt der Unterhaltung von der Weimarer Republik bis in die Nachkriegszeit. Klartext, Essen 2011, ISBN 978-3-8375-0537-5, S. 74–77.
  • Marco Paysan: „… aus dem Geist des Boulevards“! Zur Physiognomie urbaner Tanzmusik- und Unterhaltungskultur in der Tonfilmoperette. In: Katja Uhlenbrok (Red.): Musik Spektakel Film – Musiktheater und Tanzkultur im deutschen Film 1922–1937. München 1998, S. 46–66.
  • Carolin Stahrenberg: Edith Lorand. In: Carolin Stahrenberg, Susanne Rode-Breymann (Hrsg.): „... mein Wunsch ist es, Spuren zu hinterlassen ...“. Rezeptions- und Berufsgeschichte von Geigerinnen. Hannover 2011, ISBN 978-3-86525193-0, S. 94–117.
  • Knud Wolffram: Mit Salonmusik zum weiblichen Schallplattenstar der zwanziger und dreißiger Jahre: Edith Lorand. In: Fox auf 78, Nr. 21, Dietramszell 2001, S. 118–135.
  • Carolin Stahrenberg: Artikel „Edith Lorand“. In: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 11. Dezember 2017.

Einzelnachweise

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  1. New York Times, 24. November 1960.
  2. Robert L. Bigg: Edith Lorand. In: Grammophone-Archive (Februar 1927), S. 39.
  3. Der Ton, Heft 10, 1931, S. 7.
  4. Berliner Adressbücher (1930–1934).
  5. Parlophone: die Matrizen-Nummern der akustischen Aufnahmen 1910 bis 1926. Düsseldorf: Sieben 1990
  6. Knud Wolffram: Mit Salonmusik zum weiblichen Schallplattenstar der zwanziger und dreißiger Jahre: Edith Lorand. In: Fox auf 78, Nr. 21, Dietramszell 2001, S. 10.
  7. Nachweisbar durch Parlophone-Etiketten.
  8. Frank Forman: Acoustic Chamber Music Sets (1899–1926): A Discography. First Web Version.
  9. Marc Paysan: „… aus dem Geist des Boulevards“! Zur Physiognomie urbaner Tanzmusik- und Unterhaltungskultur in der Tonfilmoperette. In: Katja Uhlenbrok (Red.): Musik Spektakel Film – Musiktheater und Tanzkultur im deutschen Film 1922–1937. München 1998, S. 65.
  10. Der Ton, Heft 10, 1931, S. 7.
  11. Parlophone-Katalog (02/1929).
  12. Der Ton, Heft 6, 1931, S. 19.
  13. Der Ton, Heft 6, 1931, S. 19.
  14. Vgl. Die Juden in Deutschland. 8. Auflage. München 1935, u. a., S. 313.
  15. Knud Wolffram: Mit Salonmusik zum weiblichen Schallplattenstar der zwanziger und dreißiger Jahre: Edith Lorand. In: Fox auf 78, Nr. 21, Dietramszell 2001, S. 13.
  16. George Barati: A Life in Music. University of California, Santa Cruz 1991 (Manuskript), S. 23.
  17. New York Times, 25. November 1935.
  18. New York Times, 24. November 1960.