Erlöserkirche (Bad Honnef)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Erlöserkirche (2022)
Erlöserkirche, Luftaufnahme (2014)

Die Erlöserkirche (anhören/?) ist die evangelische Pfarrkirche von Bad Honnef, einer Stadt im nordrhein-westfälischen Rhein-Sieg-Kreis. Sie wurde 1899/1900 errichtet. Die Kirche liegt an der Luisenstraße (Hausnummer 13) im westlichen Bereich des Stadtzentrums und steht als Baudenkmal unter Denkmalschutz.[1]

Die Kirchengemeinde Bad Honnef gehört zum Kirchenkreis An Sieg und Rhein der Evangelischen Kirche im Rheinland.

Die evangelische Pfarrkirche im Honnefer Stadtbild (1900)

Nach der Gründung einer evangelischen Kirchengemeinde in Honnef am 1. Juli 1895 wurde 1896 der Bau einer Pfarrkirche und eines Pfarrhauses beschlossen. Sie entstand nach einem Entwurf und unter der Gesamtbauleitung des Kirchenbaumeisters Ludwig Hofmann – die Gestaltung der Details übernahm der Honnefer Architekt Ottomar Stein[2] – in Form eines neoromanischen Kirchengebäudes mit Tonnengewölbe. Kaiserin Auguste Viktoria übernahm in einer späteren Bauphase die Schirmherrschaft; Wilhelm II. griff mit einer eigenen Bleistiftzeichnung in die Planungen ein und setzte als Turmabschluss anstelle des von Hofmann vorgesehenen hohen und schlanken Helms die gewöhnlich in Norddeutschland verbreitete Bischofsmütze durch. Beide stifteten das Glasmosaikfenster über dem Haupteingang, die Königin Sophia von Schweden und Norwegen ein Chorfenster.[3] Am 29. Mai 1899 wurde die Grundsteinlegung gefeiert, die Weihung erfolgte am 2. Dezember 1900.[2] Die zuvor von der Gemeinde genutzte evangelische Kapelle an der Linzer Straße 24/26 wurde anschließend profaniert und 1901 an die Jüdische Gemeinde Honnef verkauft, die dort 1902 ihre Synagoge einrichtete.[4]

Am Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Kirche beschädigt, der ursprüngliche Zustand bei der anschließenden Restaurierung – die auch eine Verlegung des Kircheneingangs beinhaltete – nicht gänzlich wiederhergestellt. 1958 wurde der Kirchvorplatz bei Beseitigung des bisherigen Einfassungsgitters neugestaltet[5], 1960 erfolgte eine umfassende Umgestaltung und Erneuerung des Altarraums. 1983 wurden an den Seitenfenstern der Kirche Veränderungen vorgenommen. Die Eintragung des Kirchengebäudes in die Denkmalliste der Stadt Bad Honnef erfolgte am 7. Januar 1992.[1] Seit 1997 trägt es den Namen „Erlöserkirche“. Die letzte Renovierung wurde im Jahr 2006 durchgeführt.

Am 3. Dezember 2016 fand in der Erlöserkirche im Beisein politischer Prominenz die Trauerfeier für den verstorbenen Bundestagsvizepräsidenten Peter Hintze statt.[6]

1962 erhielt die Kirche ihre heutige Orgel aus der Karl Schuke Berliner Orgelbauwerkstatt.

I Hauptwerk C–g3
Prinzipal 8′
Gemshorn 8′
Oktave 4′
Rohrflöte 4′
Waldflöte 2′
Sesquialtera II
Mixtur III-IV
Trompete 8′
II Schwellwerk C–g3
Gedackt 8′
Spitzgedackt 4′
Prinzipal 2′
Sifflöte 1′
Scharff III
Terzian II-III
Vox humana 8′
Tremulant
Pedal C–f1
Subbass 16′
Oktavbass 8′
Rohrpfeife 4′
Hintersatz IV
Fagott 16′
Trompete 4′

In dem Spielfilm Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush (2022) diente die Erlöserkirche als Drehort.[7]

  • Sandra Laute: „Aus Furcht vor Anstoß unterließ man den Gesang“: Protestanten am Fuße des Drachenfels. In: Siebengebirgsmuseum (Hrsg.): Preußenadler über dem Rhein: eine Spurensuche rund um den Drachenfels [Ausstellungskatalog]. Bouvier Verlag, Bonn 2015, ISBN 978-3-416-03386-2, S. 84–93. [noch nicht für diesen Artikel ausgewertet]
  • Martina Walter: Die Kirche und das Kaiserpaar: Die evangelische Kirche in Bad Honnef. In: Heimat- und Geschichtsverein „Herrschaft Löwenburg“ e.V.: 150 Jahre Stadt Bad Honnef. Edition Blattwelt, Niederhofen 2012, ISBN 978-3-936256-50-5, S. 208–217. [noch nicht für diesen Artikel ausgewertet]
  • Karl Josef Klöhs: Kaiserwetter am Siebengebirge. Edition Loge 7, Königswinter 2003, ISBN 3-00-012113-7, S. 115.
  • Evangelische Kirchengemeinde Bad Honnef (Hrsg.): 100 Jahre Evangelische Kirche in Bad Honnef (Talbereich): Neuere Geschichte und Entwicklung der Evangelischen Kirchengemeinde Bad Honnef. Daten und Fakten 1961–2000. Bad Honnef 2000.
  • Peter Jurgilewitsch, Wolfgang Pütz-Liebenow: Die Geschichte der Orgel in Bonn und im Rhein-Sieg-Kreis, Bouvier Verlag, Bonn 1990, ISBN 3-416-80606-9, S. 330–332.
  • Hans Josten: Hundert Jahre evangelisches Gemeindeleben in Bad Honnef. In: August Haag (Hrsg.): Bad Honnef am Rhein. Beiträge zur Geschichte unserer Heimatgemeinde anläßlich ihrer Stadterhebung vor 100 Jahren. Verlag der Honnefer Volkszeitung, Bad Honnef 1962, S. 166–173.
  • J[ohann] J[oseph] Brungs: Die Stadt Honnef und ihre Geschichte. Verlag des St. Sebastianus-Schützenvereins, Honnef 1925, S. 265–269 (Neudruck 1978 durch Löwenburg-Verlag, Bad Honnef).
Commons: Erlöserkirche – Sammlung von Bildern
  • Kirchenführer (PDF; 586 kB), Evangelische Kirchengemeinde Bad Honnef

Einzelnachweise

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  1. a b Denkmalliste der Stadt Bad Honnef, Nummer A 155
  2. a b Karl Günter Werber: Honnefer Spaziergänge. 2. überarbeitete Auflage. Verlag Buchhandlung Werber, Bad Honnef 2002, ISBN 3-8311-2913-4, S. 35/36.
  3. Karl Josef Klöhs: Kaiserwetter am Siebengebirge. Edition Loge 7, Königswinter 2003.
  4. Adolf Nekum: Honnefs Kinder Israels: Spuren und Zeugnisse jüdischen Lebens in und um Bad Honnef. Eine familien-, gesellschafts-, sozial- und religionsgeschichtliche Dokumentation. (=Heimat- und Geschichtsverein „Herrschaft Löwenburg“ Bad Honnef e.V.: Studien zur Heimatgeschichte der Stadt Bad Honnef am Rhein, Heft 7) Bad Honnef 1988, S. 67.
  5. Honnefer Volkszeitung, 13. Juni 1958, S. 3 (zeitpunkt.nrw)
  6. Bundeskanzlerin Merkel bei Trauerfeier für Peter Hintze, Kölnische Rundschau, 3. Dezember 2016
  7. Bad Honnefer Kirche spielt in Berlinale-Erfolg eine Hauptrolle. In: General-Anzeiger (Bonn). 22. Februar 2022, abgerufen am 28. April 2022.

Koordinaten: 50° 38′ 45,5″ N, 7° 13′ 19,6″ O