Stadtumlandbahn Regensburg

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Als Stadtumlandbahn Regensburg bezeichnet die Bürgerinitiative Pro-Städtedreiecksbahn, welche von Jan Mascheck (Enkel von Hans-Joachim Mascheck) ins Leben gerufen wurde, seit Anfang 2017 die Bahnstrecke zwischen Burglengenfeld über Regensburg nach Langquaid angelehnt an die Namensgebung der Stadtumlandbahn Erlangen, in der Erweiterung möglicherweise als Tramtrain-Konzept auf der Stadtbahn Regensburg.[1]

Stadtumlandbahnansatz

Die Ausgangslage in Regensburg ist ausgesprochen schwierig. Über 70.000 Personen pendeln täglich in die Stadt aus dem Umland, zumeist mit dem PKW.[2]

Die Donau zieht sich quer in West-Ost-Richtung durch ganz Regensburg.

Viele Arbeitsplätze, Industriestandorte wie auch Freizeitangebot befinden sich südlich der Donau in Regensburg. Jedoch wird die Donau nur an vier Stellen in Nord-Süd-Richtung durch Verkehrswege überquert: drei Straßenbrücken und eine Eisenbahnbrücke.

Die Straßenquerungen haben zudem noch einen weiteren Nachteil: Eine der Querungen ist eine Autobahn, die neben dem regionalen Verkehr auch den überregionalen Nord-Süd-Verkehr aufnehmen muss und zusätzlich mit dem Pfaffensteiner Tunnel ein zweites Nadelöhr aufweist.

Ausgehend von der Erkenntnis, dass es neben dem Ost-West-Verkehr insbesondere im Nord-Süd-Verkehr zu den Stoßzeiten innerhalb und um Regensburg herum zu massiven Staus kommt, die Straßen keine weiteren Verkehre mehr aufnehmen können und die kreuzende Autobahn A 3 6-streifig ausgebaut wird und folglich noch mehr Verkehr in Richtung A93 bringen wird, wurde die Stadt-Umland-Bahn zwischen Langquaid und Burglengenfeld für Regensburg durch die Initiative Pro-Städtedreiecksbahn ins Spiel gebracht.[3]

Teilstück Laabertalbahn

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Als Laabertalbahn wird die Bahnstrecke Eggmühl–Langquaid bezeichnet. Der hier ansässige Verein erhält zusammen mit den Anrainerkommunen die Gleisanlage und führt historischen Event- wie auch Güterverkehr durch.[4] Die Gemeinden Langquaid und Schierling arbeiten aktiv an einer Erhaltung der Gleisanlage mit und arbeiten an einem „Stadtumlandkonzept“ zur umsteigefreien Anbindung an Regensburg.[5]

Teilstück Eggmühl–Regensburg

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Der Gleisabschnitt vom Regensburger Hauptbahnhof bis zum Abzweig Obertraubling ist an seinen Kapazitätsgrenzen angekommen, auch der Airportexpress zwischen Regensburg und dem Flughafen München war hier bereits sehr schwer unterzubringen. Ein drittes Gleis ist bereits im Bundesverkehrswegeplan in der Planung und befindet sich in einem frühen Planungsstadium. Dieses Gleis ist Voraussetzung für weitere Verkehre zwischen Langquaid und Regensburg.[6]

Teilstück Regensburg–Maxhütte-Haidhof

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Die Strecke zwischen Regensburg und Maxhütte-Haidhof, als Teilstück der Verbindung Regensburg–Hof, ist bisher nicht elektrifiziert. Für diese Strecke gibt es Ausbauplanungen, mit sehr langen Realisierungszeiträumen, auch eine mögliche Elektrifizierung steht im Raum.[7] Zusätzliche Kapazitäten für eine Stadtumlandbahn Regensburg sind hier vorhanden.

Teilstück Burglengenfeld–Maxhütte

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Zwischen Burglengenfeld und Maxhütte-Haidhof verläuft die Bahnstrecke Haidhof–Burglengenfeld. Auf dieser Strecke ist der Personenverkehr seit 1967 eingestellt, der Güterverkehr in Richtung Zementwerk nahm in den letzten Jahren weiter zu. Aktuell prüft die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) eine Reaktivierung des Schienenpersonennahverkehrs, die nach ersten Verlautbarungen sehr hohe Chance hat.[8] Im September 2020 wurden erste Ergebnisse veröffentlicht, wonach die BEG diese Bahnstrecke für reaktivierungswürdig hält, das 1000er-Kriterium sei je nach Variante erreichbar.[9]

Erweiterung auf einer späteren Stadtbahn Regensburg

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Konzept des Stadtumlandbahnansatzes der Bürgerinitiative ist eine umsteigefreie Direktverbindung in die Stadt Regensburg, in der ersten Realisierungsphase als durchgehende Nord-Süd-Verbindung ausschließlich auf dem Netz der Deutschen Bahn und in der zweiten Phase durch teilweise Mitbenutzung der Stadtbahnstrecken als Tramtrain-Konzept, ähnlich dem Chemnitzer Modell.[10]

Das Büro Komobile erhielt 2019 den Auftrag, aufgrund des vielfältigen Wunsches der Weiterführung der Regensburger Stadtbahn ins Umland, diesen Ansatz zu prüfen.[11] Dem Neubau von Straßenbahnstrecken ins Umland gab das Gutachterbüro klar einen ‚Korb‘. Für den Neubau von Straßenbahnstrecken ins Umland sei das Umland zu zersiedelt und die entsprechende Nachfrage für eine Förderfähigkeit nicht gegeben.

Den Ansatz einer Stadtumlandbahn auf Bahngleisen mit späterer Durchbindung auf der Stadtbahn prüft die Bayerische Eisenbahngesellschaft im Rahmen eines Großgutachtens für den Regensburger Raum.[12]

Begrifflichkeiten

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In der Diskussion wird im Rahmen einer von vielen Seiten geforderten Stadtumlandbahn mit verschiedenen zum Teil sich widersprechenden Konzepten gearbeitet.

Unabhängig von der politischen Zugehörigkeit wird der Ansatz des Karlsruher Modell (Straßenbahn fährt ins Umland) verwechselt mit dem Neubau von Straßenbahnstrecken ins Umland (Erlangen) wie auch dem Chemnitzer Modell (stadtbahnähnliche Regionalbahnfahrzeuge fahren in die Stadt).

Das Büro Komobile hat dem Ansatz „Straßenbahnstrecken ins Umland“ eine klare Absage erteilt.[13] Trotzdem wird dieses Konzept für die Prüfung einer Stadtumlandbahn Regensburg immer wieder gefordert:[14][15]

Aus Sicht vieler Landkreispolitiker ist nur der Ansatz des Chemnitzer Modells realistisch für die Planung einer umsteigefreien Stadtumlandbahn Regensburg.[16][17][18]

Einzelnachweise

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  1. Sebastian Stricker: Stadtbahn-Konzept als Vorbild? In: Neue Osnabrücker Zeitung. 5. September 2018, abgerufen am 20. Oktober 2019.
  2. Sebastian Wintermeier: Verkehrsprobleme: Oberpfälzer Unternehmer beklagen Mehrkosten. In: Bayerischer Rundfunk. 23. September 2019, abgerufen am 20. Oktober 2019.
  3. Michael Jaumann: Umlandbahn: Die Gleise liegen schon. In: Mittelbayerische Zeitung. 6. März 2017, abgerufen am 20. Oktober 2019.
  4. Auf der Strecke Eggmühl–Langquaid – die historische Laabertalbahn fährt wieder. In: Wochenblatt. 7. April 2019, abgerufen am 20. Oktober 2019.
  5. Fritz Wallner: Den Verkehrkollaps abwenden. In: Mittelbayerische Zeitung. 14. September 2019, archiviert vom Original am 20. Oktober 2019; abgerufen am 20. Oktober 2019.
  6. Ausbau des Schienen-Nadelöhrs Regensburg–Obertraubling geht für die Grünen zu langsam. In: Wochenblatt. 5. Juni 2019, abgerufen am 20. Oktober 2019.
  7. Marcel Kehrer: Infoabend zu Elektrifizierung der Bahnstrecke Regensburg–Hof. In: Bayerischer Rundfunk. 26. Februar 2019, abgerufen am 20. Oktober 2019.
  8. Jürgen Umlauft: Gute Chancen für Bahnverbindung von Burglengenfeld nach Maxhütte-Haidhof. In: Onetz. 24. September 2019, abgerufen am 20. Oktober 2019.
  9. Wird die alte Bahnstrecke reaktiviert? In: Mittelbayerische. Abgerufen am 16. September 2020.
  10. Region: Stadtumlandbahn Regensburg. In: Eine Stadtbahn für Regensburg. 12. März 2016, abgerufen am 20. Oktober 2019.
  11. Christof Seidl: Stadtbahn soll ins Land führen. In: Mittelbayerische Zeitung. 16. März 2018, abgerufen am 20. Oktober 2019.
  12. Entwicklungskonzeptes Region Regensburg: Stadt und Landkreis packen gemeinsam an. In: TVA Ostbayern. 10. Juli 2019, abgerufen am 20. Oktober 2019.
  13. Jan-Lennart Loeffler: Stadtbahn stößt an ihre Grenzen. In: Mittelbayerische Zeitung. 4. Oktober 2019, abgerufen am 20. Oktober 2019.
  14. Jusos Landkreis Regensburg/Pressemitteilung: Landkreis-Jusos fordern, die Stadtbahn zur Umlandbahn zu entwickeln. In: Wochenblatt. 13. Oktober 2019, abgerufen am 20. Oktober 2019.
  15. Julia Ried: Planer prüfen Tram aufs Land. In: Mittelbayerische Zeitung. 21. August 2018, abgerufen am 20. Oktober 2019.
  16. CSU Regensburg-Land/Pressemitteilung: Landkreis-CSU setzt auf eine „Regionalbahn mit innerstädtischer Erschließung“. In: Wochenblatt. 25. August 2019, abgerufen am 20. Oktober 2019.
  17. Tobias Gotthardt fordert „städtisches Umdenken bei Infrastrukturprojekten“. In: Wochenblatt. 4. Juli 2018, abgerufen am 20. Oktober 2019.
  18. Thomas Rieke: Bahn: Langer Atem ist nötig. In: Mittelbayerische Zeitung. 18. Juni 2018, abgerufen am 20. Oktober 2019.